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10 Mythen über Rückenschmerzen

Veröffentlicht am: 21. März 2019

Es ist das Volksleiden Nummer eins. 80 Prozent der Deutschen sind betroffen und mehr als ein Viertel aller Krankheitstage beruhen auf Rückenschmerzen. Dennoch scheint vielen Menschen dieses Symptom ein Rätsel zu sein, denn es ranken sich unzählige und teils gefährliche Mythen um Rückenschmerzen. Heute will ich zehn Mythen aus dem Weg räumen.

1. Langes Sitzen ist schuld an Rückenschmerzen
In diesem Satz steckt eine Teilwahrheit. Langes Sitzen, gerade bei einer Bürotätigkeit, ist tatsächlich häufig die Ursache der Schmerzen. Doch der Grund liegt viel mehr in der schlechten Haltung und einem Bewegungsmangel. Wer viel sitzen muss, sollte für ausreichend Abwechslung sorgen. Daher sind Sport vor oder nach der Arbeit sowie kleine Bewegungspausen ein Muss, um Rückenschmerzen vorzubeugen.

2. Aufrechtes Sitzen schützt vor einem Bandscheibenvorfall
Es stimmt, dass die Belastung auf die Bandscheiben geringer ist, wenn Sie aufrecht sitzen. Mit geradem Rücken entsteht ein Druck von mindestens 100 Prozent des Körpergewichtes auf die Bandscheiben. Bei einer schlechten Haltung, etwa durch einen Rundrücken, steigt die Belastung auf etwa 160 bis 200 Prozent. Langanhaltender Druck kombiniert mit Bewegungsarmut können in vielen Fällen zu einem Bandscheibenvorfall führen. Auch das gerade Sitzen schützt also nicht vor einem Schaden. Erst die ausreichende Bewegung und Abwechslung im Arbeitsalltag können Rückenschmerzen vorbeugen. Machen Sie Gymnastik, gehen Sie joggen oder investieren Sie die eine oder andere Stunde im Fitnessstudio, um Ihren Rücken zu stärken. Allgemein empfehle ich die 60-30-10 Regel. Das heißt: Verbringen Sie pro Stunde 60 Prozent der Zeit im Sitzen, 30 Prozent im Stehen und die restlichen 10 Prozent in Bewegung.

3. Der Bildschirm muss auf Augenhöhe sein
Ein ergonomischer Arbeitsplatz kann vor Rückenschmerzen schützen. Doch wordurch zeichnet sich ein solcher Arbeitsplatz überhaupt aus? Ein Tisch, der sich in der Höhe verstellen lässt, sowie ein ergonomischer Bürostuhl gehören zum Standardinventar eines guten Büros. Entscheidend sind dann noch die Feinheiten. Bildschirm, Maus und Tastatur müssen sich in optimaler Position befinden. Gerade um Kopfschmerzen zu vermeiden, darf der Bildschirm nicht zu hoch eingestellt sein. Ein Bildschirm auf Augenhöhe hat häufig Verspannungen im Nacken zur Folge. Die perfekte Höhe hat der Monitor genau dann, wenn man bei einem waagerechten Blick auf die obere Monitorkante schaut. Während der Arbeit ist der Blick dann leicht nach unten gerichtet, wodurch die Nackenmuskulatur entlastet wird.

4. Mit dem Alter kommen Rückenschmerzen
Wer in jungen Jahren seinen Rücken stark vernachlässigt hat, darf sich nicht wundern, wenn er im Alter von Rückenschmerzen geplagt wird. Regelmäßiger Sport stabilisiert die Rückenmuskulatur und erspart uns im Alter unangenehme Schmerzen.

5. Bei Rückenschmerzen sollte man sich schonen
Treten erste Schmerzen auf, liegt der größte Fehler darin, in Schonhaltung zu verfallen. Die Ursache rührt meist aus einer verspannten Muskulatur, Bewegungsarmut und falscher Haltung. Statt die Muskeln zu schonen, sollte man sich stets in Bewegung halten. Natürlich darf man es nicht übertreiben. Ein Spaziergang, leichte Hausarbeit oder bestenfalls Krankengymnastik sind wesentlich effektiver.

6. Verschlissene Wirbel und Bandscheiben sind schuld an den Schmerzen
Das ist grundsätzlich nicht auszuschließen, doch anfängliche und leichte Rückenschmerzen, gerade in jüngeren Jahren, entstehen oftmals durch Muskelverspannungen. Eine schlechte Haltung, falsche Bewegungsabläufe oder ein Bewegungsmangel können zu verhärteten Muskeln führen. Dadurch entstehen die Schmerzen in Rücken, Nacken und sogar Kopf. Des Weiteren können etwa ein eingeklemmter Nerv oder eine verschobene Bandscheibe ebenfalls starke Schmerzen im Rücken auslösen.

7. Ein Hexenschuss ist ein Bandscheibenvorfall
Laien verwenden diesen Begriff gerne als Synonym. Dabei liegen zwei völlig verschiedene Ursachen vor. Bei einem Hexenschuss handelt es sich um Schmerzen, die durch eine Nervenreizung oder einer ausgeprägten Muskelverspannung ausgelöst werden. Ein Bandscheibenvorfall hingegen beschreibt den Durchbruch des Bandscheibenkerns durch einen zu hohen Druck auf die Scheibe. Die Krankheitsverläufe erfordern komplett verschiedene Behandlungsmethoden. In jedem Fall sollten Sie bei starken Schmerzen einen Arzt aufsuchen.

8. Ein Bandscheibenvorfall muss operiert werden

Viele fürchten sich vor einem Bandscheibenvorfall, weil sich dieser nur mit einem Eingriff beheben lässt. Dabei führt nicht jeder Vorfall zwangsläufig zu einer Operation. Nur in besonders schwerwiegenden Fällen wird ein operativer Eingriff nötig. Oft reicht schon Krankengymnastik als Therapiemaßnahme vollkommend aus. Während der Sitzungen stärken wir effektiv die Muskulatur des Rückens, um die Bandscheiben bestmöglich zu entlasten.

9. Eine harte Matratze ist gut für den Rücken

Ein Irrglaube, der sich hartnäckig hält. Dabei kann eine zu harte Matratze überhaupt erst zu Rückenschmerzen führen, eine zu weiche übrigens auch. Ist die Matratze zu hart, wird die Wirbelsäule während des Schlafs nicht ausreichend gestützt. Die umliegenden Muskeln versuchen, die Hohlräume zwischen Körper und Matratze auszugleichen. Die Folge sind Muskelverspannungen, die sich in Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen äußern. Eine zu weiche Matratze kann die Wirbelsäule ebenfalls nicht ausreichend stabilisieren und es traten die gleichen Probleme auf. Die Kunst liegt also darin, die optimale Matratze zu finden. Lassen Sie sich am Besten von einem Experten beraten. Paare sollten für die jeweilige Bettseite eine individuelle Matratzenhärte wählen.

10. Bei leichten Rückenschmerzen muss man nicht zum Arzt
Auch leichte Rückenschmerzen sollte man nicht unterschätzen und die Ursache durch einen Arzt abklären lassen. Denn auftretende Schmerzen sind meist schon ein körperliches Warnsignal, dass sich Bewegungsarmut oder eine Fehlhaltung negativ auf den Rücken auswirken. Wer frühzeitig die Initiative ergreift und seinen Rücken stärkt, kann späteren Schäden wie etwa einem Bandscheibenvorfall vorbeugen.

Bilderquelle: @aggergakker – unsplash.com

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