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Für mehr Beweglichkeit im Alltag: Alles rund ums Dehnen

Veröffentlicht am: 16. August 2019

Können Sie mit Ihren Fingerspitzen den Boden berühren? Was vielen Kindern mit Leichtigkeit gelingt, fällt Erwachsenen oft schwer. Dabei schützt ein beweglicher Körper vor Verletzung und Unfällen. Dehnen hilft, die Flexibilität zu fördern. Wir zeigen Ihnen, was zu beachten ist.
Jeder, der im Verein Sport gemacht hat, hat schon einmal gehört: „Du musst dich vor den Übungen dehnen!“. Doch stimmt das überhaupt? Das kommt nach Meinung vieler Sportmediziner auf den Einzelfall an. Es gilt als allgemein anerkannt, dass Dehnen die Beweglichkeit der Gelenke erhöht, Sehnen und Bänder stärkt und Verspannungen löst.

Dehnen: Schont die Muskeln und reduziert Stress

Sinnvoll sind Dehnübungen vor Sportarten, die ein hohes Maß an Beweglichkeit verlangen, zum Beispiel Ballett und Geräteturnen. Die Muskeln werden durch die Dehnübungen im Vorfeld besonders flexibel, sodass der Spagat oder die Brücke leichter gelingt. Muskeln haben eine Grundspannung. Wenn ein Muskel aktiv ist, spannt er sich stärker an und zieht sich zusammen. Auch Stress hat diese Wirkung auf die Muskulatur. Das Dehnen folgt dem umgekehrten Prinzip: Durch die Streckung des Muskels entspannt er sich. Daher entspannt Dehnen den Körper und hilft gegen Stress. Ist die Muskulatur entspannt, kann auch das Blut leichter fließen. Dadurch kurbeln die Übungen die Durchblutung an.

Die Kehrseite des Dehnens

Vor bestimmten Sportarten kann Dehnen aber auch ein Nachteil sein. Bei einer niedrigen Muskelspannung sinkt die Leistungsfähigkeit. Vorheriges Dehnen ist deshalb widersinnig, wenn eine Sportart schnelle Bewegung erfordert, zum Beispiel Boxen und Sprinten. Nach intensivem Dehnen sind die Muskeln in Kraft und Geschwindigkeit eingeschränkt. Vor und nach intensiven Kraftübungen ist Dehnen daher kontraproduktiv. Durch die niedrige Muskelspannung sind die Bänder anfälliger für Unfälle.

Auf die Technik kommt es an

Bei der Ausführung unterscheiden Sportler zwischen statischem und dynamischem Dehnen. In beiden Variationen zieht der Sportler bestimmte Muskeln für eine kurze Zeit in die Länge. Dadurch wird das Bindegewebe der Muskulatur elastischer. Der Unterschied liegt in der Ausführung. Mit dem statischen Dehnen strecken Sie einen Muskel und halten die Dehnung für 15 Sekunden. Sie dehnen Ihre Muskeln auf diese Art sehr intensiv und behalten gleichzeitig die Kontrolle über die Intensität, indem Sie die Tiefe variieren. Das dynamische Dehnen arbeitet mit federnden Bewegungen, welche die Muskulatur schonend flexibler machen und das Zusammenspiel der Muskelgruppen fördern. Beide Dehnmethoden sind bei unterschiedlichen Ansprüchen sinnvoll.

Da statisches Dehnen die Muskeln besonders entspannt, ist es gegen Stress und bei Sportarten mit hoher Beweglichkeit hilfreich. Dynamisches Dehnen erhält die Schnellkraft und senkt die Muskelspannung weniger stark. Daher ist es bei Ballsportarten und Kampfsporten die erste Wahl.

Hören Sie auf Ihren Körper

Am wichtigsten ist es, bei allen Dehnübungen das richtige Maß zu finden. Dehnen Sie regelmäßig aber lassen Sie Ihrem Körper genug Zeit zur Erholung. Bei Muskelkater muss sich der Sportler ausreichend erholen. Muskelkater deutet auf kleine Risse in der Muskulatur hin, die der Körper auffüllen muss. Daher sollten Sie Ihren Muskeln in diesem Fall etwas Ruhe gönnen. Dehnen darf unangenehm sein, soll aber nie schmerzen. Langfristig stärken Sie auf diese Weise Ihren Bewegungsapparat und beugen Verletzungen vor.

In meiner Praxis für Physiotherapie kommen beide Dehnmethoden zum Einsatz. Ich zeige Ihnen ganz genau, mit welchen Übungen Sie Ihre Bänder stärken oder nach Verletzungen rehabilitieren.

 

Bilderquelle: ©alexandermils – unsplash.com

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